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Aktuelles


In der Rubrik 'Aktuelles' publizieren wir in unregelmässigen Abständen Fallbesprechungen sowie Artikel zu Rechtsproblemen oder Neuigkeiten von allgemeinem Interesse aus dem Gebiet des öffentlichen und privaten Baurechts.
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Schutzwürdigkeit von Bäumen und Baumgruppen im Siedlungsgebiet

Ein Kommentar von Dr. Konrad Willi und Lukas Wolfer

Im Oktober 2011 beschloss der Stadtrat von Zürich die teilweise Unterschutzstellung einer privaten Gartenanlage an der Seestrasse in Zürich-Wollishofen. Betroffen vom Schutzentscheid waren unter anderem zwei Eiben samt Wurzelbereich auf der Westseite des Hauses.

Den dagegen gerichteten Rekurs der Grundeigentümerin wies das kantonale Baurekursgericht nach Durchführung eines Augenscheins am 4. Mai 2012 ab. Zur Begründung verwies das Gericht im Wesentlichen auf das kommunale Ermessen in Denkmalschutzfragen sowie das von der Stadt eingeholte Baumgutachten, welches zum Schluss kam, dass die Eiben – unabhängig von ihrem nur schwer zu schätzenden Alter von ca. 100 bis 120 Jahren –  aufgrund ihrer Grösse „etwas Besonderes“ darstellten, da derart grosse Eiben auf Zürcher Stadtgebiet nur noch selten anzutreffen seien.

Mit Urteil vom 27. Februar 2013 hat das Verwaltungsgericht nun die Beschwerde der Grundeigentümerin gutgeheissen und die Unterschutzstellung der beiden Eiben aufgehoben (VB.2012.00372). Das Gericht räumte zwar ein, dass Bäume und Baumgruppen – obgleich primär Objekte des Landschafts- und Naturschutzes – unter Umständen wegen ihrer prägenden Wirkung für ein Quartier- oder Strassenbild unter Schutz gestellt werden könnten. Es rief dabei jedoch in Erinnerung, dass dafür strenge Massstäbe gelten würden, da Bäume und Baumgruppen in dicht besiedelten Gebieten nicht generell besonderen Schutz geniessen würden. Bäume bzw. Baumgruppen seien nur dann schutzwürdig, wenn sie aufgrund ihres Standorts und ihrer Erscheinung in markanter Weise einen dominierenden, aussergewöhnlichen Akzent setzten und damit das Quartier- oder Strassenbild wesentlich mitprägen würden.

Diese Voraussetzungen waren aus Sicht des Verwaltungsgerichts vorliegend nicht gegeben, da die Eiben an ihrem Standort von der das Quartierbild bestimmenden Strassenseite her lediglich als grösstenteils verdeckter, dunkler Hintergrund in Erscheinung treten würden. Das Argument der Vorinstanzen, dass die Eiben einen „willkommenen Kontrast“ zu den Infrastrukturanlagen der SBB bilden würden, liess das Gericht nicht als hinreichenden Grund für eine Unterschutzstellung gelten, da dieser Effekt von jeder einigermassen gefälligen Hintergrundbepflanzung erzeugt werden könnte.

Im sorgfältig begründeten Entscheid schloss das Verwaltungsgericht, dass sich die Unterschutzstellung der beiden Eiben entgegen der Auffassung des Baurekursgerichts zudem als unverhältnismässige Eigentumsbeschränkung erweiste, hätten die beiden Eiben doch u.a. eine empfindliche Beschattung von Wohnräumen auf der strassenabgewandten Südwestseite zur Folge.

Der - noch nicht rechtskräftige - Entscheid ist zu begrüssen, liessen sich doch mit der im Schutzentscheid sowie in den anschliessenden Rechtsmittelverfahren vertretenen Auffassung des Stadtrates von Zürich in grossem Stile Bäume unter Schutz stellen - was gerade nicht Sinn von § 203 Abs. 1 lit. f PBG ist.

März 2013
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