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Aktuelles


In der Rubrik 'Aktuelles' publizieren wir in unregelmässigen Abständen Fallbesprechungen sowie Artikel zu Rechtsproblemen oder Neuigkeiten von allgemeinem Interesse aus dem Gebiet des öffentlichen und privaten Baurechts.
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Keine neuen Dachterrassen auf Stadtzürcher Gebäuden?

Eine Fallstudie von Lukas Wolfer

Herr Meier und Frau Müller freuten sich auf die Attika-Wohnung ihres neuen Mehrfamilienhauses. Wie auf zahlreichen Gebäuden in der näheren Umgebung bereits vorhanden, wollten sie diese Attika mit einer Dachterrasse „krönen“. Die Bausektion der Stadt Zürich durchkreuzte diese Pläne und verweigerte die entsprechende Bewilligung. Weil sich Herr Meier und Frau Müller diese behördliche Einflussnahme nicht gefallen liessen, können sie heute ihre Terrasse geniessen – auch wenn diese etwas kleiner wurde als geplant.

Es kann sich also durchaus lohnen, Auflagen in einer Baubewilligung oder einen Bauabschlag (gänzliche Verweigerung der Baubewilligung) durch einen spezialisierten Anwalt überprüfen zu lassen:

Für Dachterrassen bestehen in den meisten Zürcher Gemeinden keine speziellen Vorschriften. Solange die dazu nötigen Absturzsicherungen die Form eines Staketengeländers oder dgl. aufweisen - und keine gemauerten Brüstungen -, unterliegen sie nicht der Breitenbeschränkung von § 292 PBG. Die Erstellung einer Dachterrasse kann diesfalls nur gestützt auf den sogenannten Ästhetik-Paragraphen (§ 238 PBG) wegen mangelnder Einordnung verweigert werden.

Auch wenn einem Gemeinwesen bei der Anwendung von § 238 PBG ein besonderer Beurteilungsspielraum zusteht, kann sich eine allein auf § 238 PBG gestützte Bauverweigerung bisweilen als unverhältnismässig erweisen: so hat die Baurekurskommission I des Kantons Zürich (seit dem 1. Januar 2011: 1. Abteilung des Baurekursgerichts) anlässlich eines Augenscheins in einem vergleichbaren Fall die Auffassung vertreten, für ein generelles Verbot von Dachterrassen bestehe – zumal in einer gewöhnlichen Wohnzone – kein Raum; vielmehr müsse jeweils die konkrete Situation beurteilt werden.

Auch im vorliegenden Fall sah der Referent der Baurekurskommission nach durchgeführtem Augenschein keinen Raum für eine generelle Verweigerung der Dachterrasse. Vor dem Hintergrund dieser – wenn auch bloss vorläufigen – Würdigung der Baurekurskommission kam die Bausektion auf ihre Verweigerung zurück, und sie erteilte die Bewilligung für eine leicht redimensionierte Terrasse. Damit hat die Bausektion ein unliebsames Präjudiz abwenden können, und Herr Meier sowie Frau Müller kamen doch noch in den Genuss ihrer Terrasse.

Februar 2011

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