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Aktuelles


In der Rubrik 'Aktuelles' publizieren wir in unregelmässigen Abständen Fallbesprechungen sowie Artikel zu Rechtsproblemen oder Neuigkeiten von allgemeinem Interesse aus dem Gebiet des öffentlichen und privaten Baurechts.
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Attikageschosse – Neues zur Rechtsprechung des Zürcher Verwaltungsgerichts

Ein Entscheidkommentar von Lukas Wolfer

Die zulässige bauliche Ausgestaltung eines Attikageschosses – d.h. des Dachgeschosses auf einem Flachdachgebäude – wird durch § 292 lit . b PBG geregelt. Es herrscht in Lehre und Rechtsprechung Einigkeit darüber, dass diese Bestimmung rein ästhetisch motiviert ist. Sie will sicherstellen, dass Attikageschosse als solche erkennbar bleiben und nicht das Aussehen eines weiteren – und bei bereits ausgeschöpfter Anzahl unzulässigen - Vollgeschosses aufweisen.

Aufgrund dieser gesetzlichen Konzeption finden sich auf Flachdachbauten im Kanton Zürich regelmässig Dachgeschosse, welche an ein asymmetrisches „Schweizer Kreuz“ erinnern: Die Attika darf auf den beiden längeren Gebäudeseiten je auf einem Drittel der betreffenden Fassadenseite das für ein Schrägdach zulässige Profil durchstossen (sog. Dachaufbaute).

Es ist in Lehre und Rechtsprechung ebenfalls unbestritten, dass anstelle eines „Schweizer Kreuzes“ auf einem Flachdach auch eine Positionierung der Aufbauten an den Gebäudeecken zulässig ist – womit z.B. ein T-förmiges Attikageschoss resultiert. Damit entsteht von der Seite betrachtet unter Umständen ein Gebäude, dessen Attikageschoss nicht von einem Vollgeschoss zu unterscheiden ist. Man kann sich fragen, ob das mit der eingangs erwähnten Stossrichtung von § 292 lit. b PBG vereinbar ist. Im Interesse einer möglichst grossen Gestaltungsfreiheit des Bauherrn ist diese Rechtsprechung aber durchaus nachvollziehbar.

Wenig praxisnah ist dagegen ein unlängst ergangener Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts, mit welchem dieses seine Rechtsprechung zur Zulässigkeit von Auskragungen vor Attikageschossen präzisiert hat: In überaus restriktiver Auslegung der Bestimmung von § 292 lit. b PBG wurde entschieden, auskragende Bauteile vor Attikageschossen seien unzulässig (VB.2011.00539). Dem Entscheid zu Grunde lag ein Bauvorhaben, dessen Terrasse vor dem Attikageschoss über die Fassade des darunterliegenden Vollgeschosses auskragte; sie bildete also gleichzeitig eine Überdachung für den darunter befindlichen Balkon des obersten Vollgeschosses. Solche über die Fassade auskragenden Terrassen von Attikageschossen finden sich auf Zürcher Kantonsgebiet zuhauf. In Zukunft werden sie nicht mehr erstellt werden können.

Nicht minder einschneidend ist, dass nach der Zusammenfassung des verwaltungsgerichtlichen Entscheids, welche sich auf der Homepage des Verwaltungsgerichts findet, Auskragungen vor Attikageschossen generell unzulässig sein sollen. Das dürfte zur Folge haben, dass z.B. Balkone des obersten Vollgeschosses von Flachdachbauten auch dann nicht überdacht werden dürfen, wenn die Überdachung nicht als Terrasse genutzt und darauf keine Absturzsicherung (Geländer) angebracht werden soll.

August 2012

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